Zusammengestellt von VD Heinz Rumbold (SPZ-Leiter bis Dez. 2005): 

 

Akustik - Probleme der Raumgestaltung

 Akustik (griechisch akouein: hören), für die Wissenschaft vom Schall oder für einen speziellen Zweig dieses Fachgebiets, nämlich die Gebäudeakustik, verwendeter Begriff. Letzterer Bereich befasst sich damit, wie geschlossene Räume aufzubauen sind, damit man Sprache oder Musik besser verstehen oder hören kann.

Bis vor vergleichsweise kurzer Zeit war die Akustik von Gebäuden ein wenig entwickelter Forschungsbereich. Der römische Architekt Marcus Pollio, der im ersten Jahrhundert v. Chr. lebte, machte zu diesem Thema ausführliche Beobachtungen und stellte scharfsinnige Überlegungen über Nachhall und Interferenz an. Wissenschaftliche Aspekte dieses Themas wurden erstmals umfassend von dem amerikanischen Physiker Joseph Henry 1856 dargestellt und später von dem amerikanischen Physiker Wallace Sabine 1900 weitergeführt.

Probleme der Raumgestaltung

Raumgestaltung unter akustischen Gesichtspunkten sollte berücksichtigen, dass  der Vorgang des Hörens neben physiologischen Besonderheiten des Ohres durch psychologische Effekte beeinflusst wird. Beispielsweise erscheinen Klänge unnatürlich, wenn sie unbekannt oder ungewohnt sind. Jeglicher Schall, der in einem gewöhnlichen Raum erzeugt wird, erhält einen geringfügigen Hallanteil aufgrund der Schallreflexionen an Wänden und Mobiliar. Ein Sendestudio beispielsweise sollte deshalb in normalem Maß Hall zulassen, um eine natürliche Klangwiedergabe zu ermöglichen. Um optimale akustische Eigenschaften zu erzielen, gestaltet man Räume so, dass  der Schall genügend stark reflektiert wird. Auf diese Weise erzielt man natürliche Klangqualität – ohne zu auffälligen Nachhall bei irgendeiner Frequenz, ohne unnatürliches Echo bei bestimmten Frequenzen und ohne unerwünschte Interferenzerscheinungen oder Verzerrungen.

Die Zeit, die vergeht, bis der Schall auf ein Millionstel seiner ursprünglichen Lautstärke abgeklungen ist, nennt man Nachhallzeit. Eine gewisse erwünschte Nachhallzeit verbessert die akustische Wirkung insbesondere bei Musik. Lauter Schall in einem großen Saal mit Publikum sollte eine oder zwei Sekunden nach dem Verstummen der Schallquelle gerade noch hörbar sein. Für einen privaten Wohnraum ist eine kürzere, aber dennoch merkliche Nachhallzeit wünschenswert.

Material

Um auf die Hallcharakteristik eines Raumes Einfluss zu nehmen, stehen einem Architekten zwei Materialgruppen zur Verfügung, mit denen sich Oberflächen von Decken, Wänden und Böden verkleiden lassen: schallschluckende und schallreflektierende Beschläge. Weiche Beschläge, wie Stoff, Kork oder Filz, schlucken den größten Teil des auftreffenden Schalles, reflektieren unter Umständen aber manche tiefen Frequenzen. Harte Materialien mit glatten Oberflächen hingegen, z. B. Naturstein oder Metallflächen, reflektieren fast allen Schall, der dort auftrifft. 
Die Akustik eines Raumes ist meist zufrieden stellend, wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schallschluckenden und schallreflektierenden Materialien gegeben ist.

Die Klassenräume weisen fast immer harte Decken, Wände und Böden auf, sodass in diesen ein Nachhall entsteht, der sich auf das Sprachverstehen ausgesprochen negativ auswirkt.
Normalhörenden fällt dieses Phänomen kaum auf, sie zeigen nur nervöse Reaktionen auf die ständige unnatürliche Schallbelastung. Hörgeräteträger oder Cochlear implantierte Kinder sind im Sprachverstehen aber massiv beeinträchtigt. Hörgeräte wie Cochlear Implantate verstärken den Nachhall genauso wie die Sprache, machen also keinen Unterschied zwischen Störschall und Nutzschall. Damit überlagert aber der Nachhall die Sprache so stark, dass sie völlig unverständlich wird.

 

Empfehlung

Der Klassenraum verfügt nur über eine kahle Decke, kahle Wände und einen harten glatten Fußboden. Die akustische Situation ist für normalhörende aber besonders für die hörgeschädigten Schüler ausgesprochen ungünstig.

Ich empfehle daher eine Optimierung der akustischen Situation im Klassenraum.

Für die Klasse empfehle ich, Seile im Abstand von 10 cm von der Decke und von 1m – 1,5m zwischen den Seilen quer über die Klasse zu spannen und auf diese Stoffbahnen zu hängen, damit die Reflexion des Schalles durch die glatte Decke nicht mehr stattfinden kann.

Die Stoffbahnen können im Bereich der Rückwand bis zu den angebrachten Pinwänden und im Bereich der Vorderwand bis zur Tafel heruntergezogen werden.

Um die glatten Fensterteile zu unterbrechen, sind zwischen den Fenstern Stoffvorhänge bis zum Fensterbrett anzubringen.

Die den Fenstern gegenüberliegende Wand ist mit Pinwänden, bzw. vorgehängten Stoffbahnen von der Decke bis 1m über den Fußboden zu versehen.

Unter dem Platz der hgs. Kinder sind Teppiche im Ausmaß von 1,5m x1,5m zu legen.

Die Maßnahmen sind auch für Hausstaubmilbenallergiker geeignet, da diese mit dem Stoff nicht in Berührung kommen und die Stoffbahnen jederzeit gewaschen werden können.

Alternativvorschlag wäre das Anbringen von Lochplatten an der Decke.

Für Rückfragen bzw. persönlicher Vorstellung der Empfehlungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

H. Rumbold

 

 

zu den Bildern