Baustein:  AVWS (Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung)

 

Die Schülerinnen und Schüler haben bei diesem Baustein die Möglichkeit, kindgerechte Informationen über die AVWS zu erhalten.

 

Ein Schüler mit AVWS hat ein gutes Hörvermögen, aber er kann Lautsprache nicht gleich wahrnehmen und verarbeiten wie seine Mitschüler.

Bildquelle mir (geOHRg) unbekannt!

 

Die Häufigkeit von AVWS wird in der Literatur unterschiedlich eingeschätzt.
Bei Kindern geht man von einer Häufigkeit von 2-3% aus. Das Verhältnis zwischen Buben und Mädchen beträgt 2:1 (daher wird der Begriff: "der Schüler" verwendet - natürlich betrifft es auch die betroffenen Schülerinnen).

Einige Funktionen (Teilfunktionen) der Lautsprachentwicklung  und -verarbeitung können unterschiedlich stark betroffen sein:


 Auditive Aufmerksamkeit (der Schüler kann nicht ausreichend lang zuhören wie seine Mitschüler.    Sie umfasst die Fähigkeit, sich bewusst einem Höreindruck wie z.B.: Geräusche, Laute, Wörter,    Geschichten, Liedtexte, ... zuwenden, sich auf das Hinhören zu konzentrieren.)

 

einige Übungen: 

- bei geöffnetem Fenster "blind" auf Umweltgeräusche lauschen und diese beschreiben

- Wörter fangen - den Schülern ganz viele Wörter  nacheinander vorsprechen, bei einem bestimmten
  Wort , z.B.: "Ball" soll das Kind aufstehen, klopfen, ...

- regelmäßig kurze Geschichten erzählen - der Schüler soll die Geschichte nacherzählen.

 

 Auditives Gedächtnis (der Schüler kann sich Hör- und Lautsprachangebote nicht in voller
  Länge merken. 
Auch das auditive Sequenzgedächnis kann betroffen sein, wenn es sich das

  Gehörte nicht in der richtigen Reihenfolge merken kann.)

einige Übungen: 

 

Rhythmus übernehmen (vorklatschen, nachklatschen, synchron mitklatschen)

- Alltagsgeräusche  (selbst produzieren und in der richten Reihenfolge nachmachen)

Wörterketten bilden  (Thema Tier: Einer beginnt: "Katze", der nächste wiederholt und fügt sein
  Tier dazu  (Katze und Maus), nächste wiederholt: Katze, Maus und Hund, ....)

 

 Lautdiskrimination: (der Schüler kann Sprachlaute nicht sicher hören und unterscheiden (z.B.: Kanne/Tanne, kriechen/Griechen, dem/den, . Er kann Sprachlaute und die Position im Wort nicht sicher erkennen. Lautsprachverständnis und Lautsprachproduktion sind davon betroffen.

einige Übungen: 

 

 

Ich sehe, was du nicht siehst  es beginnt mit einem "b"  (Buch, Ball, Blume, ..)

                                                 es endet mit einem "e"  (Schultasche, Schere, ...)  

   Wichtig: Nur "lautieren"  "b" nicht "be"

Wörterketten bilden ein Schüler nennt ein Wort: z.B. Heft, der nächste muss hören, wie das Wort  
   endet und dann mit dem Laut einen neues Wort finden:  Heft - Tafel - Lampe - Emil - Lupe - ....

Wortlängen unterscheiden:  Welches Wort ist länger:   Brot  oder Blumenstrauß?

 

 Auditive Synthese (umfasst die Fähigkeit, aus einzelnen Elementen (Laute, Silben, Wortteile)                                          eine komplexe akustische Gestalt (Wort) zu bilden.


 Auditive Wortergänzung (Schüler kann unvollständige Lautkombinationen nicht zu sinnvollem

Ganzen ergänzen; dabei geht es um die Fähigkeit fehlende Laute oder Silben/Wortteile in einem Wort zu erkennen und richtig zu ergänzen)

einige Übungen:  

Einzelsilben zum Wort verbinden: Vorsprechen: Re-gen-wol-ke  - Kind dann flüssig sprechen:   

    Regenwolke

    Alternative: Wer findet ein Wort mit mehr Silben: Lokomotive (5 Silben), Elektrolokomotive (8)

Robotersprache:   Vorsprechen: T-o-m-a-t-e  oder  S-o-n-n-e.

                                Schüler sollen das Wort flüssig nachsprechen    und umgekehrt!

Wortanfänge ergänzen: Vorsprechen: Wörter ohne ersten Buchstaben:   addelboot,   ostüm  =    
                                                                                                                     Paddelboot, Kostüm

- Zusammengesetzte Wörter:  Was ergibt Schnee und Mann (Schneemann), Baum und Haus  
                                                  (Baumhaus), ...

 

 Selektivität (der Schüler kann Lautsprache bei Nebengeräuschen, Nebengesprächen nicht    
                         ausreichend
 verstehen)

einige Übungen: 

- Vorleseneine Geschichte vorlesen und im Hintergrund läuft Musik. Inhalt der Geschichte abfragen.

- Wörter heraushören -  Musik im Hintergrund, es werden viele Wörter vorgelesen. Das Wort BALL  
  kommt öfters vor.  Jedes Mal, wenn das Kind BALL hört, legt es eine Kugel in eine Schale. Wie oft
  hast du das  Wort BALL gehört?

- Wo ist das Geräusch?  Dem Kind die Augen verbinden. Leise Musik im Hintergrund. Mit verbundenen
                                         Augen ein Geräusch z.B. Trommel, Wecker, Rassel, ...) nachgehen.

 

Richtungshören (der Schüler kann Schallquellen (z.B.: Wortmeldungen seiner Mitschüler nicht   schnell genug und sicher lokalisieren = aus welcher Richtung spricht der Mitschüler?)


 Zeitauflösungsvermögen (der Schüler kann kurz aufeinander folgende Signale nicht  
   unterscheiden 
und sie in zeitliche Reihenfolge bringen. Er hat Probleme Einzellaute und Silben
   korrekt zu erkennen.)

Dichotisches Hören (der Schüler kann nicht auf beiden Ohren getrennt angebotene,  
  unterschiedliche 
Sprachsignale verstehen. Das dichotische Hören umfasst die Fähigkeit, mit   
  beiden Ohren zeitgleich auftretende, aber (minimal) frequenz- und intensitätsverschiedene
  Sprach- oder Umweltschallinformationen selektieren, diskriminieren, analysieren und speichern

  zu können.)

  z.B.:  Viersilber: Erdbeerkuchen/Vogelkäfig, Autorennen/Kaffekanne, Orangensaft/Kaffekanne

            - Fünfsilber: Elektrokabel/Getränkekasten, Geburtstagsgeschenk/Marienkäfer, ...

 

 Rhythmusdifferenzierung (der Schüler kann den Lautsprachrhythmus nicht als  
  Gliederungshilfe nutzen, 
erkennt die rhythmische Struktur nicht.

Lautheitsempfinden (der Schüler empfindet leise, normallaute und sehr laute Schallereignisse

  als nicht adäquat. Es kann leise Sprache schlecht verstehen und empfindet laute

  Ereignisse als unangenehm, schmerzhaft. Kommunikationssituationen können als

  sehr stressig, belastend empfunden werden.)



 

Bei Schülern mit AVWS liegt eine Störung der Hörverarbeitung zwischen dem Innenohr und dem Gehirn vor. Die "Ohren" hören genauso gut, wie die eines Normalhörenden, allerdings werden die akustischen Impulse nicht korrekt an das Gehirn weitergeleitet.

Wie wirkt sich eine AVWS im Schulalltag (und auch im Alltag) aus?

Die betroffenen Schülern haben Schwierigkeiten

  • sich in lauten, geräuschvollen Situationen auf das Hören zu konzentrieren
  • Straßenlärm, Husten, ein heruntergefallener Bleistift überlagert die Stimme der Eltern oder des Lehrers
  • gesprochene Sprache aus dem Störlärm herauszufiltern
  • bei rein auditiv gestellten Aufgaben ermüden sie schnell
  • sie können die Richtung aus der ein Geräusch kommt nicht richtig zuordnen
  • Lautsprecheransagen an Flughäfen und Bahnhöfen werden nicht verstanden

 

Wie kann eine vorschulische Auffälligkeit erkannt werden:


  • Keine konstante Hörreaktion bereits im Säuglingsalter
  • Kinder neigen dazu, sich in lauten geräuschvollen Situationen die Ohren zuzuhalten oder die Situation zu verlassen
  • Das Kind findet es im Kindergarten, in der Schule, in großen Einkaufszentren, bei Familienfeiern und Festen zu laut
  • Häufung von Sprachentwicklungsverzögerung, die sich trotz intensiver logopädischer Behandlung nicht beheben lassen
  • Buchstaben oder Wortendungen werden weggelassen
  • Ähnlich klingende Wörter werden vertauscht (Nuss - muss, dem - den, Tanne - Kanne, Äquator - Equador)
  • Die Buchstaben d-t, p-b, v-w, k-g, n-m ("kritische Konsonanten) werden häufig verwechselt, da sie nicht richtig phonematisch unterschieden werden können
  • Unsicherheiten in der Grammatik
  • Probleme beim Auswendig Lernen von Gedichten oder Liedern
  • Die betroffenen Schüler schalten im Unterricht nach einiger Zeit ab, da sie die hohe Konzentration, die sie fürs Hören benötigen, nicht auf Dauer aufrecht erhalten können
  • Häufiges Nachfragen bei auditiv gestellten Aufgaben in lauter Umgebung
  • Unangemessenes Verhalten oder keine Reaktion des Kindes bei auditiv gestellten Aufgaben, Probleme beim Durchführen mehrteiliger mündlicher Anweisungen
  • Die Richtung aus der ein Geräusch kommt kann nicht richtig eingeordnet werden, das Kind wendet sich nicht oder verspätet dem Sprecher zu
  • Sie hören meist nur mit einem Ohr, nicht mit beiden Ohren gleichzeitig
  • Wenn viele Mitschüler durcheinander reden ist das Kind häufig sehr laut. Sie wollen so erreichen, dass sie sich selbst besser aus dem Stimmengewirr heraus hören
  • Fehlende Sprachmelodie, monotones Vorlesen (Prosodie)
  • Die betroffenen Schüler haben Probleme beim Kopfrechnen, da sie die mündlich gestellte Aufgabe nicht verstehen
  • Bei mehrteiligen mündlichen Anweisungen können sie sich häufig nur einen Teil der Aufgabe merken
  • Bei Diktaten kommt es häufig zu Wortauslassungen und sonstigen Hörfehlern, sie vergessen ganze Teile des Satzes
  • Große Empfindlichkeit bei schrillen und lauten Geräuschen
  • Häufig wird das Radio, der Kassettenrekorder oder der Fernseher zu laut eingestellt

 

weitere Informationen

 

Landeszentrum für Hörgeschädigte - Vorarlberg