Was ist eigentlich Medienkompetenz?

Derzeit ist das Wort Medienkompetenz in aller Munde. Von den unterschiedlichsten Seiten wird gefordert, dass gerade Kinder den kompetenten Umgang mit Medien lernen sollen. Aber was genau meint dies?

Grundsätzlich kann man unter Medien alles verstehen, was uns auf indirekte Weise Informationen vermittelt. Hierzu zählen Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehprogramme, Kinofilme, Hörspielkassetten, Musik-CDs, Computerspiele und vieles mehr. Mit dem Begriff der Medienkompetenz versucht man, alle Fähigkeiten zusammenzufassen, die ein Mensch braucht, um mit diesen Medien selbständig und kritisch umzugehen.

Es handelt sich hierbei also um sehr vielseitige und mehrschichtige Fähigkeiten. Medien sollen nicht nur auf technischer Ebene bedient oder produziert werden können. Medienkompetenz beinhaltet auch die Fähigkeit, sich kritisch mit Medien auseinander zu setzen und darüber nachzudenken, wie sie funktionieren. Ihr Aufbau, ihre Intention (zu informieren, zu unterhalten, aber auch eventuell zu manipulieren) sollen begriffen werden. Medien sollen für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung herangezogen werden können. Ein selbstständiger, eigenverantwortlicher Umgang sowie kreative, gestalterische Tätigkeiten mit ihnen sind das Ziel von medienpädagogischer Arbeit.

 

Welchen Beitrag zur Medienkompetenzförderung kann ein Medienprojekt wie die

TRICKBOXX leisten?

 

Die TRICKBOXX eröffnet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Technik zur selbstständigen kreativen Filmgestaltung. Projektteilnehmern wird die Möglichkeit gegeben, die Eigenheiten des Mediums Film kennen zu lernen, sich selbst in diesem Medium kreativ auszudrücken und sich kritisch mit den Funktionsweisen, aber auch mit den Schwierigkeiten dieses Mediums auseinander zu setzen. Unmittelbar erfährt und probiert man, wie die Welt im Film gemacht wird, nach welchen Gesetzmäßigkeiten sie funktioniert und wie diese Filmwelt sich von der Realität unterscheidet.

Allerdings lassen sich die Lernerfolge nicht wie Vokabeln abfragen, sie zeigen sich erst im weiteren Verhalten der Projektteilnehmer. Ähnlich wie das Lesenlernen oder das Erlernen der Zeichenfähigkeit kann Medienkompetenz nur in kleinen Schritten ausgebildet werden.

Lassen Sie sich dadurch aber nicht verunsichern. Zum einen ist es nicht nötig und auch nicht

möglich, alle der genannten Ziele „abzuarbeiten“ , zum anderen werden Sie feststellen, dass viele der Eindrücke, die die Projektteilnehmer während der Trickfilmproduktion erfahren haben, nachhaltig in ihnen arbeiten und wirken. Nehmen Sie sich nicht zuviel vor, denken Sie daran: Weniger ist mehr! Schließlich sollen Sie selbst und die Projektteilnehmer in erster Linie Freude und Begeisterung an der Arbeit haben und sich nicht überfordert fühlen.

 

Warum sind TRICKBOXX-Projekte außerdem sinnvoll?

Die aktive Auseinandersetzung mit Medien und das Vermitteln von Medienkompetenz sowie

natürlich der Spaß am Produzieren eines eigenen Trickfilms sind nicht die einzigen Gründe für die Durchführung eines Trickfilm-Projektes. Die TRICKBOXX ermöglicht auch die Umsetzung einer Reihe von allgemeinpädagogischen Zielen. Sie kann themenbezogen im Unterricht eingesetzt werden. Schüler können z. B. im Geschichtsunterricht einen Film zum Thema „Ägypten“ erstellen.

Die Trickfilmarbeit ermöglicht eine spielerische Annäherung an den jeweiligen thematischen

Inhalt. Die Box kann aber themenunabhhängig im Rahmen einer Projektwoche oder Arbeitsgemeinschaft zum Einsatz kommen. Sie fördert soziale Kompetenzen, Gemeinschaftssinn, Teamwork, Diskussions- und Artikulationsfähigkeit sowie kreatives, analytisches und kritisches Denken


Warum eignet sich der Trickfilm besonders für medienpädagogische Arbeit?

Der Trickfilm eignet sich besonders gut für den Einstieg in die Filmproduktion. Zum einen ist er bei Jung und Alt ein beliebtes Genre mit hohem Unterhaltungswert. Zum anderen wird bereits beim Anschauen deutlich, dass zumindest diese Art von Film keine bloße Abbildung der Realität sein kann, sondern Film und Fernsehen als „gemacht“ anzusehen sind. Die klare Erzählweise durch bunte, gestalterisch zum Teil stark vereinfachte Bilder kommt den Fähigkeiten und Vorlieben gerade von jüngeren Kindern entgegen. Sie sind ein geeignetes Vorbild für eigene Filmproduktionen.

Der Trickfilm weckt schnell das Interesse für seine Machart, ohne dass das Wissen um die Produktion den Spaß an zukünftiger Trickfilmrezeption mindern würde. Mit relativ geringem Aufwand ist die Eigenproduktion von kurzen Filmen mit der TRICKBOXX auch schon für kleine Kinder möglich. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Auch können nahezu alle Themen mit diesem Medium bearbeitet werden. Diese Eigenschaften bieten eine gute Voraussetzung für medienpädagogische und allgemeinpädagogische Arbeit.

 

Noch einmal kurz und knapp auf den Punkt gebracht:

Gründe, warum die Arbeit mit der TRICKBOXX nicht nur Spaß macht, sondern

auch pädagogisch sinnvoll ist:

· Erst beim eigenen Filmemachen wird deutlich, was Film ist. Film ist ein Medium, eine   eigene Sprache, in der ich mir mit klaren Bildern die Welt so gestalten kann, wie ich sie will.

· Die Filmsprache hat eine eigene „Grammatik“ und „Schreibweise“. Die Filmtechnik und das Prinzip der einzelnen Bilder, die beim Abspielen zu Bewegungsabläufen verschmelzen, werden vermittelt.

· Eine eigene Filmproduktion kann so einfach konzipiert werden, dass das Bewegen von bereits vorhandenen Gegenständen seine Wirkung erzielt. Außerdem unterliegt der Animationsfilm keinen Naturgesetzen. Hier haben die Kinder ein Artikulationsmittel für ihre individuellen Ideen, Phantasien und Sichtweisen. Für die praktische Arbeit sind außer dem technischen Equipment lediglich Ideen, Materialien (wie Papier, Farben oder aber auch fertige Gegenstände, z. B. Gummibärchen, Fotos etc.) erforderlich.

· Es gibt keine Schauspieler. Unbehagen vor der Kamera, unprofessionelles Schauspiel und sich daraus ergebene Unzufriedenheit mit sich, der Gruppe und dem Produkt werden somit verhindert.

Nur das Einspielen von Geräuschen und Sprache kann bei dieser Art der Filmarbeit von

(anfänglicher) Schüchternheit beeinträchtigt werden. Das Augenmerk liegt also auf der filmtechnischen Arbeit wie Bewegungen, Kameraeinstellungen, Anschlüsse etc.

· Die Bedienung der Technik (digitale Kamera) ist denkbar einfach. Sie kann ebenfalls von den Kindern selbst durchgeführt werden, ohne dass eine umfangreiche Einführung nötig ist.

· Während des Arbeitsprozesses ist das Ziel, einen eigenen Film produzieren zu können, ständige Motivationsquelle. Anhand des selbst produzierten Films können das eigene Handeln und das Produkt reflektiert werden.

· Am Ende des TRICKBOXX-Workshops steht für die Teilnehmer nicht nur die Erfahrung einer spaßigen und spannenden gemeinsamen Arbeit. Sie haben ein fertiges Produkt erarbeitet, einen Film, den sie auf Video mit nach Hause nehmen können. Der Film ist nicht nur für die Teilnehmer allein gemacht. Sie haben die Möglichkeit, ihre Arbeit der Familie und Freunden zu präsentieren und sich mit ihnen darüber auszutauschen. Diese Möglichkeit fördert zusätzlich das Selbstbewusstsein der Projektteilnehmer.

· Der Erwerb von Medienkompetenz resultiert aus dem „Weg zum Ziel“. Sie vermittelt sich in vielen Punkten für die Kinder auf lustvolle Weise „nebenbei“.

· Die Filmproduktion von der Idee bis zur Durchführung findet in eigenverantwortlicher Gruppenarbeit statt. Sie fördert den Teamgeist der einzelnen Gruppenmitglieder. Soziale und kommunikative Kompetenzen wie Kompromissbereitschaft, Durchsetzungsvermögen, Zuhören und Formulieren, Entscheidungen fällen und akzeptieren werden geschult.

· Da sich die TRICKBOXX mobil „überall“ aufstellen lässt, können nahezu alle Kinder erreicht werden, also auch sozial benachteiligte oder jene, denen keine Infrastruktur zur Verfügung steht, um herkömmliche Veranstaltungsorte zu besuchen.

 

aus: >lfm:

Landesanstalt für Medien

Nordrhein-Westfalen (LfM)

Zollhof 2

40221 Düsseldorf

Postfach 103443

40025 Düsseldorf

http://www.lfm-nrw.de

 

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Ziele

  • Kennenlernen und Produzieren des Genres Trickfilm
  • Auseinandersetzung mit trickfilmspezifischen Gestaltungsmitteln
  • Unterscheidung von Fiktion und Realität
  • Entwicklung instrumentell-qualifikatorischer Fähig- und Fertigkeiten
  • Förderung von Kreativität und Fantasie
  • Förderung der kommunikativen Kompetenz
  • Entwicklung sozialer Kompetenzen